Hallo zusammen!
Habt Ihr mich schon alle aufgegeben? Ich hoffe doch nicht! Leider gab es seit meinem letzten Bericht aus Kampala einen Zwischenfall, der etwas Chaos in mein Leben hier gebracht hat. Vor ein paar Wochen wurde in mein Haus in Fort Portal eingebrochen und es wurden mehrere wichtige Gegenstaende entwendet Ich hoffe Ihr verzeiht mir deshalb meine verspaetete Rueckmeldung ueber mein Befinden und meine Arbeit.
Fuenf Wochen ist es nun schon her, seit ich mich in FP eingefunden und ich denke ich kann auch sagen, mein Zuhause gefunden habe. Meine Arbeit ist meist sehr interessant und abwechslungsreich. Die meiste Zeit verbringe ich mit einem Baumspezialist und Botaniker namens Chris, er ist sowohl Mentor als auch Freund und bringt mir das Wissen ueber Flora und Fauna naeher, im Besonderen seine Erfahrung mit Baeumen. Mein Problem war schon immer Informationen aus der Theorie zu entnehmen, darum bin ich froh, dass der Grossteil meines Lernens auf praktischen Einfluessen beruht. Dazu gehoert z.B. das Pflanzen von Baeumen im bot. Garten und die regelmaessige Kontrolle des Wachstums. Diese Arbeit setzt jedoch voraus, dass wir genug Setzlinge aus der Baumschule zur Verfuegung haben, ist dies nicht der Fall, muessen wir uns diese aus den umliegenden Waeldern und Nationalparks (NP) holen. Bisher hatte ich einmal die Moeglichkeit dazu, den Kibale NP zu besuchen, um dort die noetigen Setzlinge und Samen zu suchen. Es war ein atemberaubendes Gefuehl, zum ersten Mal in meinem Leben in einem Regenwald zu stehen, diese Stille, nur durchbrochen durch die Rufe der Voegel, die mit ihrem Gesang die umherschwirrenden Schmetterlinge zum Tanz auffordern. Die verschiedenen Gerueche, die einem in unglaublicher Zahl in die Nase steigen und sich mit jedem Schritt aufs Neue veraendern. Einmal fiel mir ein eigenartiger Geruch auf, stickig und schwer, sehr markant. Chris erklaerte mir, dies sei der Atem einer Schlange, die auf ihre Beute wartet. Dem Geruch nach zu urteilen, muss es eine grosse Schlange gewesen sein, doch so sehr ich mich auch anstrengte sie zu Gesicht zu bekommen, war meine Nase das einzige Sinnesorgan, das die Anwesenheit der Schlange wahrnahm. Wenn ich nun im Nachhinein an diese Situation zurueckdenke, haette ich mich schon sehr gern in meine Kindheit zurueckgesetzt gefuehlt, indem die Schlange Kaa mir ihr verfuehrerisches Lied gesungen haette: „Hör' auf mich, glaube mir. Augen zu, vertraue mir!” Auch wenn man nun sagen kann, dass ich ein Riecher fuer Schlangen habe, so wandere ich in Bezug auf Baeume immer noch durch ein Labyrinth von lateinischen Namen. Durch meinen Aufenthalt im Kibale NP wurde mir vor Augen gefuehrt, wie vielfaeltig doch die Flora ist. Wie ein Ornithologe, auf der Suche nach einem neuen Vogel, bewegte ich mich durch das unendliche Gruen des Waldes, auf der Suche nach neuen Setzlingen. Wenn ich nicht gerade den Waldmenschen spiele, helfe ich im bot. Garten z.B. beim Bau der Chilibeete, schleppe Baeume oder Artemisiapflanzen zu ihrem Bestimmungsort oder arbeite mich mit der Machete durch die, mit Elefantengras, zugewachsenen Wege.
Fuer die Zukunft habe ich mir bereits zwei Projekte in den Kopf gesetzt, deren Hauptaufgabe darin besteht Fundraising zu betreiben. In diesem Zug moechte ich allen danken, deren Geldbeutel nicht so fest verschlossen war und auch den Leuten, die mir auf andere Art und Weise geholfen haben. Meine Projekte Zielen darauf ab, das bereits bestehende Educationprogramm zu unterstuetze, indem ich die finanziellen Mittel aufbringe, damit sich die Schulen den Ausflug in den bot. Garten leisten koennen und somit essenzielles Wissen ueber ihre Umwelt erlangen und dabei auch Spass haben koennen. Mein Zweites Projekt ist es einen Schmetterlingsgarten aufzubauen, der die Attraktivitaet des bot. Gartens steigert und gleichzeitig auch die Moeglichkeit bietet einen neuen Weg zu den seltenen Mahagonimutterbaeumen zu erschliesen, die sich in einem entlegenen Teil des riesigen Gartens befinden.
Doch besteht mein Leben hier nicht nur aus Arbeit, ich habe auch viel Frezeit. Diese nutze ich u.a. dazu, eine Motorradtagestour in Richtung des Queen Elizabeth NP zu machen, die sich entlang der Mondberge zieht. Um dort schliesslich einer Herde Elefanten mit dem Bike zu folgen. Andere Ausfluege fuehren mich an einen der schoensten Orte, die ich bisher gesehen habe. Ein einsam gelegener Kratersee, dessen tuerkisfarbenes Wasser, an einem heissen Tag, geradezu danach schreit, darin schwimmen zu gehen. Umrandet wird der See von Dschungel und einer Reihe von Felsen, dort folge ich meinem Hobbz, dem Klettern. Vor mir der Fels, hinter mir die gruenende Flora und der silberne Glanz, der sich im Wasser spiegelnden Sonne, der durch das Geaest scheint. Die meisten Abende verbringe ich jedoch mit Lesen oder ich bekomme Besuch von meinem Nachbarn. Doch selbst diese gewoehnlichen Abende stellen schon ein Highlight dar. Wenn ich gegen 17:00 Uhr von der Arbeit heimkomme, kurz noch auf dem Markt ein paar Sachen fuer das Abendessen gekauft, dann freue ich mich schon auf MEIN HAUS. Gross ist es, liegt recht abgelegen und hat einen eingemauerten Garten hinter dem Haus, indem sich auch das Plumpsklo und die Dusche befindet. Wobei Dusche zuviel gesagt ist, ein Bottich mit Wasser und eine abgesaegte Wasserflasche kennzeichnen diesen Begriff. Den Feierabend geniesse ich meist auf meiner kleinen Terrasse vor dem Haus, Musik, etwas zu Essen und den wahnsinns Blick ueber meinen Vorgarten. Geradeaus schaue ich ueber ein kleines Tal auf den Koenigspalast. Links sehe ich an einem violett bluehenden Baum vorbei, der Sonne zu, wie sie langsam hinter den Mondbergen untergeht und irgendwann nur noch der rote Schein erkennbar ist, der sich um die Gipfel schmiegt.
Mit diesem Bild moechte ich mich nun verabschieden und wuensche Euch noch viel Spass beim weitertraeumen und natuerlich ein frohes Osterwochende.
Mittwoch, 31. März 2010
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