Nach zwei Monaten der Funkstille richte ich meinen Blick mal wieder nach Deutschland, zu Euch!
Die Zeit vergeht hier wie im Flug, ueber 3 Monate bin ich nun schon hier, der stetige Sonnen- Regenwechsel ist die einzige Klimaveraenderung, die man hier erfaehrt. Es ist vier Uhr mittags und es ist wieder bruetend heiss. Mit dem Fieberthermometer mist man leichtes Fieber in der Sonne (37.7 Grad Celsius), da wuenscht man sich schonmal Eis am Stiel. Schlapp, lustlos, faul, so fuehlt man sich an solchen Tagen und fuer mich verlief die letzte komplette Woche nach diesem Prinzip: Knapp 40 Grad heiss, Tag und Nacht und das Wasser fliesst in Stroemen. Was sich hier wie ein Wetterbericht fuer die vergangenen Tage anhoert, ist Keiner. Die Temperatur stellt die Hoehe meines Fiebers dar, das meinen Kreislauf dahinraffte. Das Wasser keinen Niederschlag, der mir ein bisschen wohltuende Kuehle in die Phasen des Fiebers brachte. Nein, Schweissstroeme, die meinen Schlafsack in einen nassen Schwamm verwandelten und mir so die Moeglichkeit einer Waermequelle entzogen, falls das Frieren wieder einsetzte. Also niedergeschlagen war nur ich, was mir meine Kopf- und Muskelschmerzen nachdruecklich bestaetigten und den Verdacht auf Malaria festigten. Ein Virus, uebertragen durch eine spezielle, weibliche Muecke, die diesen Virus in sich traegt und mich vor ca. einer Woche gestochen haben muss.
Doch gluecklicherweise verbrachte ich zuvor noch vier schoene Tage in Kampala und Umgebung und somit fiel diese Zeit der Qual nicht so schwer ins Gewicht. Die spaete Ankunft am Donnerstag, laeutete einen relative kurzen Abend in Kampala ein, der mich nach der fuenf stuendigen Busfahrt auch bald ins Bett fuehrte. Den naechsten Morgen ging ich jedoch mit neuen Kraeften und wenig Lust (8 Uhr morgens) an, ich wollte mich voll und ganz meiner Visasache widmen, um nicht mehr offiziell nur als Tourist herumzulaufen.Also erst einmal ein Rollegg (2 Wraps mit Omlett) zum Fruehstueck verschlungen und schon ging es mit dem Sammeltaxi und den anderen Freiwilligen in Richtung Innenstadt. Fuer alle lief die Sache praechtig, nur mein Visa bereitete Probleme und konnte schliesslich nicht beantragt werden, da ein Formular meines Projekts nicht korrekt war. Man moechte grad meinen, man befindet sich in einem deutschen Office. Nun heisst es also, alles nochmal von vorne. In der Zwischenzeit werde ich wohl als illegaler Einwanderer gehandelt und die Internationalen Beziehungen stark gefaehrden :), da mein Touristenvisa am 16.5/2010 abgelaufen ist. Bis zu meinem geplanten Abstecher nach Ruanda in 2 Wochen, sieht es hoffentlich besser aus. Um dem Tag und meiner Laune eine Wende zu geben, stuerzte ich mich gemeinsam mit einem Freund in den Trubel der Innenstadt. Unser Ziel: Owino-Market, ein grosser Markt fuer Allesmoegliche; meine Mission: wuerdige Nachfolger meines einzigen Paares von Freizeitschuhen zu finden. Als wir uns in eine der Marktgassen gezwungen und sich unsere Augen an das Daemmerlicht gewoehnt hatten, hatten wir uns auch schon nach den ersten Metern verloren. Jedoch wurde ich nach ein paar unwilligen Geschaeftsmaennern und einer unfreundlich Dame bald fuendig. Zwei paar Schuhe und ein T-Shirt fuer knapp 20 Euro, damit konnte ich zufrieden sein. Als mein Kumpel und ich uns shliesslich am vereinbarten Treffpunkt wiederfanden, machten wir uns auf die Suche nach einem Ort zum Erholen. Auf dem Weg legte mein Freund noch eine Jongliereinlage in der Menge hin und wir durchquerten eine abseits gelegene, sehr heruntergekommene Einkaufsstrasse, bis wir schliesslich unsere Oase fanden. Ein kleines Restaurant mit Balkon und Blick aus dem ersten Stock, von wo wir das ganze hektische Treiben, der rund vier Millionen Leute, die es tagtaeglich nach Kampala treibt, gut ueberblicken konnten. Gegen spaeter traffen wir uns dann wieder mit den anderen Freiwilligen zum Essen. Dann: Den Ugandern zeigen, wie man richtig Pool spielt, einen kurzen Besuch eines geilen Reggeaschuppens im Partyviertel Kampalas(eigentlich nur eine urgemuetliche Garage mit Bar, Billiard, Tierdokus und Bob Marley Postern) und schliesslich einem Abschlussbier in einer Bar, bildeten das Abendprogramm dieses anstrengenden Tages. Den Samstag und Sonntag verbrachte ich nahe den Mabamba-Swamps in einer einsam gelegenen, idyllischen Anlage, die das Oekoprojekt einer Freundin bildet. Eine erholsame Zeit, nach dem Chaos der Grossstadt und vor der folgenden Malaria. Sonntagnacht kam ich dann wieder in Fort Portal, meinem Zuhause an.
Was meine Arbeit im bot. Garten betrifft, so uebe ich mich noch in Geduld. Das Buch ueber Schmetterlinge, das man mir schon seit Wochen geben moechte, ist immer noch verliehen und zu dem Treffen mit dem Spezialisten konnte ich leider nicht erscheinen, da beide Male kein Transportmittel zur Verfuegung stand. Aus diesem Grunde beschaeftige ich mich gerade mit dem Anlegen eines “Family Tree Gardens”, der auf drei versch. Arealen jeweils Baeume der gleichen Baumfamilie beinhaltet (hauptsaechlich Mahagonibaeume). Noch ca. 1400 Baeume stehen aus, gepflanzt zu werden. Es wird also nicht langweilig auf der Arbeit und auch privat bietet sich immer wieder etwas Neues. Es wurde nun schon ein zweites Mal in mein Haus eingebrochen, in diesem Fall jedoch als ich auf Arbeit war. Nun habe ich ausser Kamera und Handy wahrhaftig keinen elektronischen Firlefanz mehr, der mich davon abhalten koennte ein typisch afrikanisches Leben zu fuehren. Ich bin nur froh, dass Diebe hier fuer Buecher nicht viel uebrig haben, ansonsten waere ich am Verzweifeln.
Das wars also mal wieder aus meiner kleinen, fernen Welt. Ich hoffe Euch allen geht es gut und Ihr geniest schon die ersten sommeraehnlichen Temperaturen. Man hoert von mir, denn heut ist nicht alle Tage, ich komm wieder, keine Frage!
Montag, 24. Mai 2010
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