Hallo liebe Freunde!
Liebe Grüße aus dem fernen Uganda! Ich hoffe, bei euch hat auch endlich der Sommer Einzug gefunden und ihr versucht euch im Sonnenbaden! In meiner momentanen Heimat neigt sich die Trockenzeit gerade dem Ende zu und es regnet seit einem Monat endlich mal wieder und bringt somit wohltuende Kühle in meinen Alltag. Ja, auch hier kann das Wort Alltag seinen ganzen Sinn entfalten. Seit über 5 Monaten bin ich nun hier und die Arbeit geht immer schleppender voran. Zu anfangs noch voller Ideen und Vorhaben, musste ich bald bemerken, dass sich die Dinge hier nicht so einfach vorantreiben lassen, wie ich das aus dem deutschen Arbeitsalltag kenne. Wie ihr euch vermutlich noch erinnert, hatte ich einen Schmetterlingsgarten geplant, der aufgrund verschiedener Hürden noch nicht in Angriff genommen werden konnte. Vereinbarungen mit den Experten konnten nicht eingehalten werden und Informationsmaterial ist rar. Dies und der sich stetig wiederholende Wochenablauf und die daraus resultierende Langeweile, lässt einen wie durch Schlamm vorankommen. Darum ist es für mich nötig etwas Abstand von der Arbeit zu bekommen und neue Kraft zu tanken. Nun ist bald die Hälfte meines Auslandsaufenthalts vorbei und das Zwischenseminar rückt immer näher. Auch ein zweiter Freiwilliger folgt bald, sodass einige Veränderungen anstehen, die etwas Abwechslung bringen und mich hoffentlich aus diesem Trott herausholen werden.
Doch möchte ich in diesem Bericht nicht nur von mir schreiben sondern auch über die Erfahrungen, die ich mit den Menschen hier gemacht habe. Das Leben in einer anderen Kultur und mit was für Problemen das verbunden ist. Diese Sachen habe ich in meinen Berichten schon des Öfteren angedeutet, möchte dies jedoch vertiefen.
Freunde zu finden ist mir noch nie schwer gefallen, doch hier fällt es einem sehr schwer, sich den Freundschaftsanfragen zu entziehen. Als Weißer, als Muzungu wie es hier heißt, steht man durchgehend auf einem Podest. Für jeden sichtbar und meist mit enormen Anziehungskraft behaftet, bewegt man sich hier voran. Für die Ugander ist die helle Hautfarbe ein Sinnbild von Schönheit, Bildung und Reichtum, kurzum in hohem Maße privilegiert. Darum ist man für Jedermann attraktiv, in der Erwartung an Reichtum und Ansehen innerhalb der eigenen Gesellschaft zu gewinnen, indem man sich mit einem Weißen anfreundet. Dies stellt einen vor das Problem seine wahren Freunde zu erkennen und gleichzeitig die Frage ob es hier sowas wie echte Freunde geben kann. Einen Satz meiner Hausbesitzerin, den ich hier gerne anführen möchte ist: „Ich würde in Sachen Geld nicht einmal meinen eigenen Kindern oder meinem Mann vertrauen!“ Auch andere Ugander haben sich mir gegenüber, in dieser Art und Weise über ihre Mitmenschen geäußert. Dadurch wird schnell klar, was einem als Weißer, als Sinnbild des Reichtums im Alltag begegnet. Manche Menschen machen es einem jedoch sehr leicht, ihre wahren Absichten zu erkennen. Tagtäglich werde ich um Geld oder Wertgegenstände angehauen, ob ich die Person nun schon seit längerem kenne oder unsere Vorgeschichte nur ein „Hallo“ ist. Doch warum ist das so? Sind wir nicht selbst mit schuld an diesem Problem? Denn in vielen Fällen bekomme diese Leute genau das, um was Sie bitten! Unsere Schuldgefühle, unser Bewusstsein für das Gefälle zwischen unserem Reichtum und der Armut in solchen Ländern lassen uns zu solchen Entscheidungen hinreißen! Ob diese Freigiebigkeit nun falsch oder richtig ist muss jeder für sich selbst entscheiden! Eins sollte uns allen jedoch daraus klarwerden, das Recht, uns in dergleichen Situationen über die Faulheit der Ugander oder anderer Afrikaner aufzuregen (die doch für Geld arbeiten und nicht betteln sollen) steht uns somit nicht mehr zu. Sind wir doch mal ehrlich, wer von uns würde seinen Nachbarn nicht auch um dessen Zweitkamera bitten, wenn er wüsste, die Chancen stehen hoch diese auch zu bekommen?! Hier kommt dann natürlich auch unsere eigene Moralvorstellung ins Spiel, unser Stolz, der mich persönlich davon abhält, um etwas zu betteln. Stolz ist jedoch etwas, dass sich die meisten Menschen in Ländern wie Uganda nicht leisten können und bildet somit wieder ein Privileg der reichen Industrieländer.
Ich möchte diese Aussagen nun einmal so stehen lassen , denn dieses Thema lässt sich unendlich weiterführen! Ich möchte euch zu eurer Meinung zu diesem Thema bitten! Vielleicht habt ihr ja eine ähnliche Einschätzung der Lage und habt noch Dinge zu ergänzen, die ich leider nicht bedacht habe oder ihr habt auch eine ganz andere Meinung, dann nur raus damit!
Genießt euren Sommer und bis dann!
Freitag, 6. August 2010
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Hey Sven,
AntwortenLöschendas haben schon viele berichtet, dass man so (über)-freundlich in afrikanischen Ländern aufgenommen wird. Aber ich denke, dass sich trotzdem auch echte Freunde dort finden lassen!
Ein Schmetterlingsgarten ist wirklich eine super Idee. Was ist das Problem, dass es sich nicht umsetzen lässt? Hast du schon ein Gebäude?
Wir hatten jetzt eine Woche lang eine Jugendevangelisation, da war ein Prediger aus Kanada da, bin noch sehr beeindruckt.
LG aus München,
Jakob